Bundesliga Tippspiel Auswertung

Aufsteiger in der Bundesliga: so tippst du Neulinge

Jeden August derselbe Streit in der Tipprunde: Ist der Aufsteiger eine sichere Sache für den Gegner, oder überrascht er in den ersten Wochen? 23 Aufsteiger aus elf Saisons geben eine klare Antwort, und sie ist unbequemer als beide Lager glauben.

Peter Neef · 4. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Aufsteiger sind schwächer als der Rest der Liga, aber nicht so schwach, wie der Ruf sagt. 1,07 Punkte pro Spiel gegen 1,42 bei den etablierten Klubs, ein Viertel stieg direkt wieder ab. Den gern erzählten Startbonus gibt es nicht: an den ersten fünf Spieltagen holten sie weniger Punkte als danach. Und das Wichtigste für dein Tippspiel: die Wahrscheinlichkeiten wissen das alles schon.

1,07

Punkte pro Spiel (Liga: 1,42)

27,6 %

ihrer Spiele gewinnen sie

6 von 23

stiegen direkt wieder ab

13,5 %

Siege gegen die Top 6

1. Wie Aufsteiger wirklich abschneiden

Von 2015/16 bis 2025/26 kamen 23 Klubs neu in die Bundesliga, in den meisten Jahren zwei, in 2019/20 drei. Zusammen spielten sie 782 Erstligaspiele. Ihre Bilanz: 27,6 % Siege, 24,0 % Unentschieden, 48,3 % Niederlagen, und 1,07 Punkte pro Spiel.

Die etablierten Klubs derselben elf Saisons holten 1,42 Punkte pro Spiel. Der Abstand von 0,35 Punkten pro Spiel entspricht knapp zwölf Punkten über eine ganze Saison, also etwa dem Unterschied zwischen einem Mittelfeldplatz und dem Abstiegskampf. Ein Aufsteiger ist damit messbar schwächer, aber kein Freiwild: er holt in knapp jedem vierten Spiel ein Unentschieden und gewinnt mehr als jedes vierte.

 Aufsteigeretablierte Klubs
Punkte pro Spiel1,071,42
Siege27,6 %39,0 %
Unentschieden24,0 %24,8 %
eigene Tore pro Spiel1,211,58
Gegentore pro Spiel1,761,51

Bundesliga 2015/16 bis 2025/26. 782 Spiele von Aufsteigern, 5.950 Spiele der etablierten Klubs. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Aufschlussreich ist, wo der Unterschied entsteht. Die Remisquote ist praktisch identisch (24,0 gegen 24,8 %), der Unterschied steckt komplett in der Verteilung von Sieg und Niederlage. Ein Aufsteiger spielt also nicht auffällig mehr Unentschieden als andere, er verliert nur häufiger die Spiele, die andere gewinnen.

Beim Torverhältnis ist die Lücke auf beiden Seiten ähnlich groß: gut 0,35 Tore weniger geschossen und 0,25 mehr bekommen. Aufsteiger sind nicht bloß harmlos nach vorn, sie sind auch hinten anfälliger.

2. Der Startbonus, den es nicht gibt

Das beliebteste Argument für den Aufsteiger lautet: die anderen unterschätzen ihn am Anfang, er hat Schwung aus der Aufstiegssaison, und die Liga braucht ein paar Wochen, um ihn zu lesen. Die Zahlen sagen das Gegenteil.

1,00

Punkte pro Spiel an den Spieltagen 1 bis 5 (115 Spiele)

1,08

Punkte pro Spiel ab dem 6. Spieltag (667 Spiele)

Der Startabschnitt ist also eher etwas schwächer als der Rest der Saison. Mit 115 Spielen ist die Stichprobe klein, der Unterschied von 0,08 Punkten liegt gut im Zufallsbereich, und deshalb lautet das ehrliche Ergebnis nicht „Aufsteiger starten schlecht“, sondern: es gibt keinen messbaren Startbonus. Wer in den ersten Wochen auf Aufsteiger-Überraschungen tippt, tippt auf ein Muster, das in elf Jahren nicht aufgetreten ist.

Einzelfälle gibt es natürlich. Hannover 96 holte 2017/18 elf Punkte aus den ersten fünf Spielen, Ingolstadt 2015/16 zehn. Am anderen Ende stehen SC Paderborn 07 (2019/20), SpVgg Greuther Fürth (2021/22) und SV Darmstadt 98 (2023/24) mit je einem einzigen Punkt aus fünf Spielen. Beide Enden zusammen ergeben einen Mittelwert, der dem Rest der Saison gleicht.

Praktisch heißt das: der erste Spieltag ist für einen Aufsteiger kein Sonderfall. Du kannst ihn genauso tippen wie den fünfzehnten.

3. Zu Hause und auswärts

Hier ist der Unterschied groß, und er ist der nützlichste Befund des ganzen Artikels. Aufsteiger holten zu Hause 1,26 Punkte pro Spiel und auswärts 0,88. Die Differenz von 0,38 Punkten liegt praktisch genau auf dem Ligaschnitt des Heimvorteils von 0,39.

Das ist bemerkenswert, weil beide gängigen Erzählungen das Gegenteil behaupten. Die eine sagt, ein Aufsteiger zehre besonders stark von seinem Publikum und seinem engen Stadion; die andere, er sei zu Hause überfordert, weil er dort das Spiel machen muss. In der Summe über elf Jahre gilt keine von beiden: Aufsteiger haben einen völlig normalen Heimvorteil, nur auf einem niedrigeren Niveau.

Für den Tipp folgt daraus eine brauchbare Faustregel. Ein Aufsteiger zu Hause gegen einen Mittelfeldklub ist ungefähr ein ausgeglichenes Spiel, ein Aufsteiger auswärts gegen einen Mittelfeldklub ist ein klarer Außenseiter. Das Heimrecht verschiebt bei ihm genauso viel wie bei jedem anderen.

4. Gegen die Spitze

Gegen die sechs Klubs, die am Ende derselben Saison oben standen, spielten die Aufsteiger 274 Mal. Bilanz: 37 Siege (13,5 %), 43 Unentschieden (15,7 %), 194 Niederlagen (70,8 %).

Vier der 23 Aufsteiger gewannen in ihrer ersten Saison kein einziges Spiel gegen ein Spitzenteam: 1. FC Nürnberg, SC Paderborn 07, FC Schalke 04 und SV Darmstadt 98, alle vier in Jahren, in denen sie auch abstiegen. Auf der anderen Seite steht RB Leipzig, das 2016/17 fünf von zehn Spielen gegen die Top 6 gewann und am Ende selbst Zweiter wurde. Nimmt man Leipzig heraus, sinkt die Siegquote der übrigen Aufsteiger gegen die Spitze auf 12,1 %.

Für dein Tippspiel ist der interessante Teil die Remisquote von 15,7 %: sie liegt deutlich unter den 24 %, die ein Aufsteiger insgesamt holt. Gegen Spitzenteams gibt es also nicht nur weniger Siege, sondern auch weniger Punkteteilungen. Das Unentschieden ist genau hier der schlechteste Tipp, obwohl es sich als Kompromiss anfühlt.

5. Was die Wahrscheinlichkeiten über Aufsteiger wissen

Die wichtigste Frage für ein Tippspiel ist nicht, wie gut Aufsteiger sind, sondern ob sie systematisch falsch eingeschätzt werden. Nur dann gibt es etwas zu gewinnen. Dafür wurden für alle 782 Aufsteiger-Spiele die marktbasierten Wahrscheinlichkeiten vor dem Anpfiff in erwartete Punkte umgerechnet und mit dem tatsächlichen Ausgang verglichen.

 vorher erwartettatsächlich
Punkte pro Spiel1,051,07
Siegwahrscheinlichkeit27,1 %27,6 %

782 Spiele von Aufsteigern, 2015/16 bis 2025/26. Um die Marge bereinigte Wahrscheinlichkeiten aus den Marktdaten desselben Datensatzes. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Der Unterschied beträgt 0,02 Punkte pro Spiel und einen halben Prozentpunkt bei der Siegquote, über 782 Spiele. Das ist so nah an null, wie eine Auswertung kommen kann. Aufsteiger werden nicht unterschätzt und nicht überschätzt.

Das klingt nach einem langweiligen Ergebnis, ist aber das praktisch wertvollste: es bedeutet, dass du bei Aufsteiger-Spielen nichts korrigieren musst. Wenn ein Modell einem Aufsteiger zu Hause 30 % Siegwahrscheinlichkeit gibt, ist das die Zahl, mit der du rechnen solltest, und nicht der Startpunkt für einen Zuschlag nach Gefühl.

6. Elf Jahre Aufsteiger im Überblick

Die Spannweite ist enorm: von 67 Punkten und Platz 2 bis zu 17 Punkten und Platz 18. Genau deshalb ist „der Aufsteiger“ als Kategorie beim Tippen wenig wert. Entscheidend ist, welcher Aufsteiger.

SaisonAufsteigerPlatzPunktepro Spiel
2015/16FC Ingolstadt 0411401,18
2015/16SV Darmstadt 9814381,12
2016/17RB Leipzig2671,97
2016/17SC Freiburg7481,41
2017/18VfB Stuttgart7511,50
2017/18Hannover 9613391,15
2018/19Fortuna Düsseldorf10441,29
2018/191. FC Nürnberg18190,56
2019/201. FC Union Berlin11411,21
2019/201. FC Köln14361,06
2019/20SC Paderborn 0718200,59
2020/21VfB Stuttgart9451,32
2020/21Arminia Bielefeld15351,03
2021/22VfL Bochum13421,24
2021/22SpVgg Greuther Fürth18180,53
2022/23SV Werder Bremen13361,06
2022/23FC Schalke 0417310,91
2023/241. FC Heidenheim8421,24
2023/24SV Darmstadt 9818170,50
2024/25FC St. Pauli14320,94
2024/25Holstein Kiel17250,74
2025/26Hamburger SV13381,12
2025/261. FC Köln14320,94

Platzierung und Punkte aus der selbst berechneten Abschlusstabelle (3/1/0, dann Tordifferenz, dann Tore), ohne Relegationsspiele. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Ein Muster fällt auf: die Aufsteiger, die gut abschnitten, sind überwiegend ehemalige Erstligisten mit Erstliga-Infrastruktur. Stuttgart, Freiburg, Köln, Bremen, der HSV und RB Leipzig sind keine klassischen Neulinge, sie kommen zurück. Die vier Klubs auf Platz 18 sind die Klubs ohne jüngere Bundesliga-Erfahrung.

Mit vier Beispielen pro Gruppe ist das kein Beweis, aber eine bessere Leitfrage als „ist es ein Aufsteiger“: kommt dieser Klub zurück oder zum ersten Mal?

7. Was das für deinen Tipp heißt

  • Behandle den Aufsteiger nicht als Sonderfall. Die Wahrscheinlichkeiten schätzen ihn über 782 Spiele praktisch exakt richtig ein. Jeder Zuschlag nach Gefühl macht deinen Tipp schlechter, nicht besser.
  • Kein Startbonus, kein Startmalus. An den ersten fünf Spieltagen holten Aufsteiger 1,00 Punkte pro Spiel, danach 1,08. Tippe den ersten Spieltag wie jeden anderen.
  • Heimrecht zählt bei ihm genauso viel. 1,26 Punkte zu Hause gegen 0,88 auswärts, das entspricht dem Ligaschnitt. Ein Aufsteiger zu Hause gegen einen Mittelfeldklub ist ein offenes Spiel.
  • Gegen Spitzenteams ist das Unentschieden der schlechteste Kompromiss. Nur 15,7 % dieser Spiele endeten geteilt, gegenüber 24 % in allen Aufsteiger-Spielen.
  • Frage nach dem Klub, nicht nach dem Label. Zwischen RB Leipzig (1,97 Punkte pro Spiel) und Darmstadt (0,50) liegt mehr als zwischen Meister und Absteiger.

Für jedes Spiel des kommenden Spieltags siehst du die Wahrscheinlichkeiten für Heimsieg, Unentschieden und Auswärtssieg auf den Spielseiten der Bundesliga, und die Tipphilfe macht daraus mit deinen Punkteregeln den Tipp mit den meisten erwarteten Punkten. Ein Aufsteiger braucht dort keine Extrabehandlung.

8. Fazit

  1. 1,07 gegen 1,42 Punkte pro Spiel. Aufsteiger sind klar schwächer, aber kein Freiwild: sie gewinnen mehr als jedes vierte Spiel.
  2. Sechs von 23 stiegen direkt wieder ab, vier davon als Tabellenletzter.
  3. Den Startbonus gibt es nicht. 1,00 Punkte an den Spieltagen 1 bis 5, 1,08 danach.
  4. Normaler Heimvorteil. 1,26 zu Hause gegen 0,88 auswärts, praktisch der Ligaschnitt.
  5. Die Wahrscheinlichkeiten liegen richtig. 1,05 erwartete gegen 1,07 tatsächliche Punkte pro Spiel, also kein Vorteil durch eine eigene Korrektur.

Mehr zur Methode hinter den Prognosen steht unter So funktioniert Tippanalyse.