Darts-WM im Alexandra Palace: Geschichte, Tickets, Anreise
Ein viktorianischer Palast, der zweimal abbrannte, die Geburtsstätte des BBC-Fernsehens und seit 2008 die Bühne der Darts-WM. In diesem Winter ist etwas neu: Das Turnier zieht in die deutlich größere Great Hall um.
Peter Neef · 19. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit
Die Darts-WM 2026/27 ist die erste in der Great Hall des Alexandra Palace: mehr als 5.000 Plätze pro Session, 36 Sessions, erwartet werden 180.000 Besucher. Für die Spieler heißt das mehr Publikum und eine Bühne, auf der noch niemand Erfahrung hat. Für dein Tippspiel ist das ein Grund, auf die Wahrscheinlichkeiten zu setzen und nicht auf einen angeblichen Heimvorteil.
1873
Eröffnung des Palastes, 16 Tage später abgebrannt
2008
erste PDC-WM im Alexandra Palace
5.000+
Plätze pro Session in der Great Hall
2031
mindestens so lange bleibt die WM dort
1. Ein Palast, der zweimal abbrannte
Das Alexandra Palace wurde am 24. Mai 1873 als „Palace of the People“ eröffnet, ein Volkspalast für den Norden Londons, benannt nach Prinzessin Alexandra von Dänemark. Sechzehn Tage später brannte es nieder; nur die Außenmauern blieben stehen. 1875 öffnete der wiederaufgebaute Palast erneut.
1936 mietete die BBC einen Teil des Gebäudes. Von hier gingen die ersten öffentlichen hochauflösenden Fernsehsendungen Großbritanniens auf Sendung; die BBC blieb bis 1956. 1980 zerstörte ein weiteres Großfeuer große Teile des Palastes, kurz nachdem der Stadtbezirk Haringey die Verwaltung übernommen hatte. Seit 1988 ist er wieder für Besucher offen, und seit 1996 steht er als Grade II unter Denkmalschutz.
Das Gebäude liegt auf einem Höhenrücken zwischen Wood Green und Muswell Hill, umgeben von einem Park. Für Darts zählen zwei Hallen: die West Hall, in der die WM bisher gespielt wurde, und die viel größere Great Hall.
2. Von Purfleet nach Muswell Hill
Die PDC-Weltmeisterschaft gibt es seit 1994. Die ersten vierzehn Ausgaben fanden in der Circus Tavern in Purfleet statt, einer Kneipenhalle mit Platz für weniger als tausend Zuschauer. Im April 2007 kündigte die PDC den Umzug ins Alexandra Palace an, weil die Nachfrage das Turnier überholt hatte. Die Ausgabe 2008 war die erste im Palast, und John Part wurde der erste Weltmeister dort. Die PDC sprach damals von mehr als 2.500 Plätzen pro Session.
Seither ist Ally Pally mit dem Sport gewachsen. Phil Taylor gewann dort drei Titel, Michael van Gerwen ebenfalls drei, und im Januar 2025 wurde der 17-jährige Luke Littler jüngster Weltmeister der Geschichte. Laut Dartsnews sahen mehr als 4,8 Millionen Menschen das Finale 2024 (Spitzenwert bei Sky Sports in Großbritannien, deren höchste Zuschauerzahl außerhalb des Fußballs). Im Dezember 2025 verlängerten PDC und Alexandra Palace den Vertrag bis mindestens 2031.
3. Neu in diesem Winter: die Great Hall
Die WM vom 11. Dezember 2026 bis zum 3. Januar 2027 findet erstmals in der Great Hall statt. Die PDC rechnet mit mehr als 5.000 Plätzen pro Session, über 40 Prozent mehr Tickets als bisher, verteilt auf 36 Sessions und insgesamt rund 180.000 Besuchern. Es gibt neue Tribünenplätze mit breiteren Sitzen, mehr Beinfreiheit und einem Getränkehalter an jedem Platz.
Warum es erst jetzt geht
Bei der Vertragsverlängerung sagte PDC-Chef Matt Porter, frühere Hindernisse für die Nutzung der Great Hall seien ausgeräumt. Zuvor hatte Barry Hearn angedeutet, das Turnier könne sonst umziehen, weil die West Hall zu klein wurde.
Die Great Hall ist der große Hauptsaal des Palastes und fasst insgesamt mehr als 10.000 Menschen. Neu ist, dass die WM dort ihre Bühne aufbaut. Wie Akustik und Abstand zum Publikum wirken, weiß noch niemand. Auch deshalb lohnt es sich, das Turnier in diesem Jahr genauer zu verfolgen.
4. Stimmung und was die Spieler sagen
Ein WM-Abend im Ally Pally ist zum Teil ein Fest. Verkleiden gehört dazu, vom Elvis bis zu den Minions, oft in Gruppen. Es wird gesungen, mitgesungen und gepfiffen, und die Einlaufmusik der Spieler geht in die Menge. Dartsnews nennt das Verkleiden „das neue Weihnachtsritual“ für viele Briten; das Turnier läuft schließlich zwischen Weihnachten und Neujahr. Nicht jedem gefällt das: Manchen Puristen ist es zu ausgelassen, mit zu viel Aufmerksamkeit für Kostüme und Gesang und zu wenig für das Darts.
Auch die Spieler sind sich nicht einig. Michael van Gerwen sagte gegenüber BoyleSports sinngemäß, man dürfe nicht zu genau hinsehen, sonst erschrecke man vor dem Gebäude. Gewonnen hat er dort trotzdem drei WM-Titel. Michael Smith, Weltmeister von 2023, sagt, er sei sehr gern dort und liebe das Publikum. Jonny Clayton nennt das Turnier das größte von allen.
Was die Bühne für einen Spieler anders macht, ist meine Einschätzung und kein gemessener Effekt: In Runde 1 spielst du über mindestens neun Legs vor Tausenden, die auf jedes verpasste Doppel reagieren. Ein schlechter Start kostet dann schnell einen Satz. Ob die Great Hall daran etwas ändert, sehen wir im Dezember.
5. Tickets, Anreise und Fernsehen
Tickets: Erstmals läuft alles über eine Verlosung. Die Runde für PDCTV-Jahresabonnenten ging vom 1. bis 7. September, die offene Verlosung vom 8. bis 14. September; beide sind vorbei. Pro Session konnte man höchstens sechs Tickets beantragen. Die offiziellen Preise begannen bei 55 Pfund für die Tribüne, 75 Pfund für Tischplätze auf dem Hallenboden und 399 Pfund für das Hospitality-Paket 501 Club. Eröffnungsabend, Viertelfinale, Halbfinale und Finale galten als besonders gefragt. Was noch frei ist oder weiterverkauft wird, steht bei den offiziellen Stellen der PDC und des Alexandra Palace; bei Zweitanbietern zahlst du schnell ein Mehrfaches des Nennwerts.
Anreise: Buche die Unterkunft früh, denn das Turnier fällt in die Weihnachtszeit. Am nächsten liegt der Bahnhof Alexandra Palace mit Zügen von Great Northern ab Moorgate. Mit der U-Bahn steigst du in Wood Green an der Piccadilly Line aus und nimmst die Buslinie W3 zum Palast.
Fernsehen: Die WM 2026/27 läuft laut Berichten noch bei Sport1 und DAZN. Danach wechselt die Übertragung im Free-TV zu einem Sender von ProSiebenSat.1, ab der Saison 2027/28. Wer nicht anreist, kann also noch einmal wie gewohnt zu Hause schauen.
Aus deutscher Sicht lohnt der Blick auf Martin Schindler: Bei der WM 2026 schied er in Runde 3 mit 0:4 gegen Ryan Searle aus. Gabriel Clemens stand 2023 als erster Deutscher in einem WM-Viertelfinale. Termine und Teilnehmer stehen auf der Seite zur Darts-WM.
6. Was das für dein Tippspiel heißt
Einen Heimvorteil für einen Spieler oder ein Land gibt es in London nicht; alle stehen auf derselben Bühne. In diesem Jahr ist zudem alles neu: Wer die West Hall kennt, kennt die Great Hall nicht. Das spricht dafür, die Wahrscheinlichkeiten pro Runde zu nutzen und nicht den Satz „der ist im Ally Pally immer stark“.
- Verlass dich nicht auf Erfahrung in der West Hall. Die Bühne zieht um, also hat niemand einen Vorsprung auf dem neuen Boden. Rating und Wahrscheinlichkeiten pro Runde bleiben dein bester Anhaltspunkt.
- Rechne in den ersten Runden mit Ausfällen. Kurze Spiele sind launisch. Setze Überraschungen dort, wo der Leistungsunterschied klein ist.
- Warte auf die Auslosung. Die Ranglisten werden Ende November eingefroren; danach weißt du, wer auf wen trifft.
Wie die Länge der Spiele die Überraschungschance verändert, steht im Artikel zum Modus der Darts-WM, und die Wahrscheinlichkeiten pro Runde findest du bei den Favoriten der Darts-WM.