Darts-WM Modus Wahrscheinlichkeiten

Darts-WM Modus: Sätze, Legs und Überraschungen

128 Spieler, sieben Runden, ein Finale über dreizehn Sätze. Der Modus ist schnell erklärt. Spannender für dein Tippspiel ist, was er mit den Wahrscheinlichkeiten macht: Dasselbe Duell endet in der ersten Runde viel öfter überraschend als im Finale.

Peter Neef · 12. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Ist ein Spieler 100 Ratingpunkte stärker, gewinnt er laut Modell 53,8 % der Legs. Über Best of 5 Sätze werden daraus 63,7 %, über Best of 13 Sätze 70,4 %. Dieser Unterschied erklärt, warum bei der Darts-WM in der ersten Woche so viele Favoriten ausscheiden und am Ende meist doch die Besten im Finale stehen.

9 und 21

Legs, die man in Runde 1 und im Finale mindestens gewinnen muss

14,8 %

Überraschung bei 300 Punkten Unterschied über 5 Sätze

5,5 %

dasselbe Duell über 13 Sätze

9 von 32

der stärksten Spieler scheiden im Schnitt in Runde 1 aus

Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Modell vom 30. Oktober 2026 und werden mit jedem Update aktualisiert.

1. Der Modus in Kürze

Die PDC-Weltmeisterschaft beginnt am 11. Dezember 2026 und endet am 3. Januar 2027 mit dem Finale im Alexandra Palace in London. 128 Spieler sind dabei, und vom ersten Spiel an gilt das K.-o.-System: Wer verliert, ist raus. Weltmeister wird, wer sieben Spiele hintereinander gewinnt.

Gespielt wird in Sätzen, ein Satz besteht aus Legs. In einem Leg spielt jeder Spieler von 501 Punkten herunter auf null, der letzte Pfeil muss ein Doppel treffen. Ein Satz geht über Best of 5 Legs: Wer zuerst drei Legs holt, gewinnt ihn. Nur im Entscheidungssatz eines Spiels gilt eine Ausnahme. Dort braucht ein Spieler zwei Legs Vorsprung, und bei 5:5 entscheidet ein letztes Leg.

Mit jeder Runde wird die Distanz länger. Die ersten beiden Runden gehen über Best of 5 Sätze, die dritte Runde und das Achtelfinale über Best of 7, das Viertelfinale über Best of 9, das Halbfinale über Best of 11 und das Finale über Best of 13 Sätze. Seit das Feld von 96 auf 128 Spieler gewachsen ist, steigen auch die 32 Gesetzten schon in Runde 1 ein. Termine, Teilnehmer und die Übersicht pro Runde stehen auf der Seite zur Darts-WM.

In Legs umgerechnet

In der ersten Runde brauchst du drei Sätze zu je drei Legs, also mindestens 9 gewonnene Legs. Im Finale sind es sieben Sätze und damit mindestens 21 Legs. Das Finale ist gut doppelt so lang wie ein Spiel der ersten Runde, und genau das verschiebt die Wahrscheinlichkeiten.

2. Vom Leg zum Satz zum Spiel

Das Darts-Modell hinter den Darts-WM-Favoriten setzt beim kleinsten Baustein an, dem Leg. Jeder Spieler hat ein Rating aus 20.810 offiziellen PDC-Spielen. Der Unterschied im Rating bestimmt, mit welcher Wahrscheinlichkeit der stärkere Spieler ein Leg gewinnt. Diese Umrechnung ist an echten Ergebnissen angepasst: Je 100 Ratingpunkte Unterschied verschiebt sich die Leg-Wahrscheinlichkeit um wenige Prozentpunkte.

Das klingt nach wenig. Ein Satz ist aber ein Rennen auf drei Legs und ein Spiel ein Rennen auf drei bis sieben Sätze. Mit jeder Stufe wächst der Vorteil des Stärkeren:

Ratingunterschied Leg Satz Best of 5 Sätze Best of 9 Sätze Best of 13 Sätze
50 Punkte51,9 %53,6 %57,0 %59,0 %60,6 %
100 Punkte53,8 %57,2 %63,7 %67,5 %70,4 %
200 Punkte57,6 %64,1 %75,8 %81,7 %85,8 %
300 Punkte61,3 %70,5 %85,2 %91,2 %94,5 %

Siegwahrscheinlichkeit des stärkeren Spielers. Leg-Modell aus dem Darts-Modell (Stand 10. September 2026), Satz als Rennen auf drei Legs, Entscheidungssatz mit zwei Legs Vorsprung. Quelle: eigene Berechnung.

Nimm die Zeile mit 200 Punkten. Pro Leg ist es fast ein Münzwurf: 57,6 %. Pro Satz sind es 64,1 %, über ein Spiel der ersten Runde 75,8 % und über ein Finale 85,8 %. Der Leistungsunterschied bleibt gleich, nur die Distanz ändert sich.

Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel. Über Best of 13 Sätze hat der Favorit ungefähr dieselbe Siegwahrscheinlichkeit wie über Best of 5 Sätze mit anderthalbfachem Ratingunterschied. 100 Punkte im Finale (70,4 %) entsprechen gut 150 Punkten in der ersten Runde, 200 Punkte im Finale (85,8 %) gut 300 Punkten.

3. Dasselbe Duell, andere Distanz

Jetzt mit echten Namen. Die Tabelle zeigt vier hypothetische Duelle mit den aktuellen Ratings aus dem Modell und gibt an, wie oft der schwächer eingeschätzte Spieler bei jeder WM-Distanz gewinnt. Angesetzt sind diese Spiele nicht, die Auslosung steht noch aus. Es geht nur um den Effekt der Distanz.

Favorit gegen Außenseiter Abstand Bo5 Bo7 Bo9 Bo11 Bo13
Luke Littler gegen Luke Humphries9737,1 %35,1 %33,3 %31,7 %30,3 %
Michael van Gerwen gegen Niko Springer12234,0 %31,5 %29,4 %27,5 %25,9 %
Luke Humphries gegen Joe Cullen31514,4 %10,8 %8,2 %6,3 %4,8 %
Luke Littler gegen Ritchie Edhouse4865,2 %2,9 %1,7 %1,0 %0,6 %

Siegwahrscheinlichkeit des Außenseiters je Distanz in Sätzen (Bo5 = Best of 5 Sätze). Ratings aus dem Darts-Modell, Stand 30. Oktober 2026. Quelle: eigene Berechnung.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ändert die Distanz bei kleinem Abstand wenig. Luke Humphries kommt gegen Luke Littler über fünf Sätze auf 37,1 % und über dreizehn Sätze noch auf 30,3 %. Treffen zwei Spieler auf ähnlichem Niveau aufeinander, bleibt das Spiel offen, egal wie lang es dauert.

Zweitens hilft das kurze Spiel dem Außenseiter umso mehr, je größer der Abstand ist. Joe Cullen hat gegen Luke Humphries über fünf Sätze 14,4 % und über dreizehn Sätze 4,8 %, also nur noch rund 34 % davon. Ritchie Edhouse kommt gegen Luke Littler über fünf Sätze auf 5,2 % und über dreizehn auf 0,6 %, also nur noch rund 11 % davon. Eine echte Sensation ist in Runde 1 selten, im Finale aber so gut wie ausgeschlossen.

Warum kurze Spiele launischer sind

Über neun Legs können ein paar starke Aufnahmen des Außenseiters oder ein paar verpasste Doppel des Favoriten den Ausschlag geben. Über 21 Legs und mehr gleicht sich das aus, und häufiger gewinnt der Spieler mit dem besseren Schnitt. Ein einzelner Würfelwurf sagt wenig, hundert Würfe sagen viel.

4. Was der Modus mit dem ganzen Turnier macht

Dasselbe Experiment funktioniert auch für das ganze Turnier. Am 10. September 2026 hat das Modell die WM mit dem damaligen Feld je 40.000-mal durchgespielt, in drei Varianten: mit dem echten Modus, mit Best of 13 Sätzen in jeder Runde und mit Best of 5 Sätzen in jeder Runde. Spieler und Ratings sind jedes Mal gleich, nur die Länge der Spiele unterscheidet sich.

Modus Titelchance Luke Littler Top 32: raus in Runde 1 Top 8: raus in Runde 1
Immer Best of 5 Sätze39,5 %9,01,4
Echter Modus (5, 5, 7, 7, 9, 11, 13)52,8 %9,01,4
Immer Best of 13 Sätze62,4 %6,20,7

Top 32 und Top 8 nach Modellrating; Anzahl im Schnitt über 40.000 simulierte Turniere. Einmalige Rechnung mit dem Modell vom 10. September 2026. Quelle: eigenes Modell.

Im echten Modus schieden von den 32 stärksten Spielern im Schnitt 9,0 in der ersten Runde aus, von den acht stärksten 1,4. Wäre die erste Runde so lang wie das Finale, wären es 6,2 und 0,7 gewesen. Der kurze Auftakt kostete die Spitze also im Schnitt fast drei zusätzliche Plätze unter den letzten 64. Mit dem aktuellen Modell und Feld sind es 9,1 von 32 und 1,3 von acht.

Beim Titel ist der Effekt noch größer. Luke Littler war in dieser Rechnung klar stärker als der Rest, und jede längere Runde schützte ihn. Im echten Modus gewann er 52,8 % der Turniere. Mit fünf Sätzen in jedem Spiel waren es 39,5 %, mit dreizehn Sätzen in jeder Runde 62,4 %. Inzwischen ist das Modell aktualisiert und sieht ihn im echten Modus bei 46,8 % Titelchance; die Richtung des Effekts bleibt dieselbe. Der WM-Modus liegt dazwischen: launisch am Anfang, streng am Ende.

5. Was das für dein Tippspiel heißt

Der Modus ist keine Nebensache, er entscheidet, wo du ein Risiko eingehst. Tippst du jedes Spiel einzeln oder gibt es in deiner Tipprunde Punkte für jede überstandene Runde, lohnt es sich, die Runden unterschiedlich zu behandeln.

  1. Rechne in den ersten beiden Runden mit Ausfällen. Im Schnitt erwischt es 9 der 32 stärksten Spieler schon in Runde 1. Ein Tippzettel, auf dem jeder Favorit weiterkommt, stimmt fast nie.
  2. Tippe auf Überraschungen dort, wo der Abstand klein ist. Zwischen zwei Spielern auf ähnlichem Niveau ist ein Spiel über fünf Sätze offen. Auf eine Sensation bei großem Abstand zu tippen, kostet meistens Punkte.
  3. Vertrau dem Favoriten umso mehr, je weiter das Turnier fortgeschritten ist. Derselbe Ratingunterschied zählt im Finale etwa anderthalbmal so viel wie in der ersten Runde.
  4. Beim Satzergebnis zählt die Distanz doppelt. Je kürzer das Spiel, desto häufiger gewinnt der Außenseiter, und umso mehr lohnt ein Blick auf die Wahrscheinlichkeit jedes einzelnen Ergebnisses. Welches Satzergebnis pro Runde die meisten erwarteten Punkte bringt, rechnet der Tipprechner im Darts-WM-Tippspiel für jedes Duell aus.
  5. Warte auf die Auslosung, wenn deine Tipprunde es erlaubt. Erst dann weißt du, welche Spiele der ersten Runde einen großen Abstand haben und welche eng sind.

Wie du aus den Wahrscheinlichkeiten pro Runde erwartete Punkte machst und wann du von der Mehrheit abweichst, steht im Artikel zu den Wahrscheinlichkeiten im Darts-WM-Tippspiel. Die Chancen jedes Spielers pro Runde findest du bei den Darts-WM-Favoriten.