Darts-WM-Tippspiel: so nutzt du Titel- und Rundenwahrscheinlichkeiten
Neben jedem Namen steht eine Prozentzahl, aber was fängst du damit an? Hier geht es nicht darum, wen du tippst, sondern wie du mit den Zahlen rechnest: was eine Titelwahrscheinlichkeit aussagt, was eine Runde wert ist und wann du von der Mehrheit abweichen solltest.
Peter Neef · 4. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Luke Littler hat laut Modell eine Titelwahrscheinlichkeit von 46,8 %. Das ist die beste Wahl im Feld, und zugleich eine Wahrscheinlichkeit von 53,2 %, dass jemand anderes Weltmeister wird. Wer beide Zahlen im Kopf behält, füllt sein Tippspiel anders aus: den Favoriten als Weltmeister, aber nicht blind in jeder Runde und nicht in jeder Tipprunde.
Die Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem Modell vom 30. Oktober 2026 und werden mit jedem Update aktualisiert.
46,8 %
Titelwahrscheinlichkeit von Luke Littler
53,2 %
Wahrscheinlichkeit, dass jemand anderes gewinnt
23 %
alle acht Topspieler überstehen Runde 1
4,3
von diesen acht stehen im Schnitt im Achtelfinale
1. Was 46,8 % wirklich heißt
Das Darts-Modell spielt das Turnier 40.000-mal durch, aufbauend auf 20.810 offiziellen Partien. Für jeden Spieler steht fest, wie oft er welche Runde erreicht. Luke Littler gewinnt in 46,8 % dieser Turniere den Titel. Das ist weniger als die Hälfte: In 53,2 % der Simulationen gewinnt jemand anderes.
Diese 53,2 % sind nicht gleichmäßig verteilt. Luke Humphries gewinnt 17,3 % aller Turniere, Gerwyn Price 9,5 %, Jonny Clayton 4,5 %. Rechnest du nur die Fälle, in denen Littler nicht gewinnt, holt Humphries davon rund 32 % und Price rund 18 %. Zusammen mit Littler decken die drei 73,6 % aller Titel ab; die übrigen 26,4 % verteilen sich auf den Rest des Feldes.
Eine Titelwahrscheinlichkeit von 46,8 % ist keine Aussage, dass Littler gewinnt. Lässt du dasselbe Turnier hundertmal spielen, ist er etwa 47-mal Weltmeister und etwa 53-mal nicht. Du wählst ihn, weil er die höchste Wahrscheinlichkeit hat, nicht weil es sicher wäre. Dieser Unterschied entscheidet, wie du den Rest ausfüllst.
Das liegt am Format: Der Titel ist das Produkt von sieben gewonnenen Runden hintereinander, und selbst bei jeweils 90 % pro Runde bleibt am Ende knapp die Hälfte übrig.
2. Wahrscheinlichkeiten pro Runde im Vergleich
Alle 128 Spieler starten in Runde 1, gespielt wird über sieben Runden mit Best of 5, 5, 7, 7, 9, 11 und 13 Sätzen. Die Tabelle zeigt für die vier größten Favoriten und Gabriel Clemens, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Spieler eine Phase erreicht: „Letzte 64“ heißt, dass er Runde 1 gewonnen hat, „Finale“, dass er im Endspiel steht. Das gesamte Feld findest du in den Darts-WM-Favoriten.
| Spieler | Letzte 64 | Achtelfinale | Viertelfinale | Finale | Titel |
|---|---|---|---|---|---|
| Luke Littler | 93,9 % | 80,0 % | 71,0 % | 55,0 % | 46,8 % |
| Luke Humphries | 89,0 % | 65,8 % | 52,7 % | 29,0 % | 17,3 % |
| Gerwyn Price | 85,8 % | 58,0 % | 42,8 % | 18,9 % | 9,5 % |
| Jonny Clayton | 82,2 % | 49,2 % | 33,5 % | 11,5 % | 4,5 % |
| Gabriel Clemens | 51,2 % | 10,3 % | 4,0 % | 0,3 % | <0,1 % |
Wahrscheinlichkeit, die Phase zu erreichen. Stand 30. Oktober 2026, 40.000 Simulationen. Quelle: eigenes Modell.
Achte auf den Verlauf der Zeilen. Bei Littler sinkt die Wahrscheinlichkeit langsam von 93,9 auf 46,8 %. Bei Humphries kippt sie in den späten Runden: 89,0 % für den Sieg in Runde 1, aber nur 29,0 % für das Finale. Eine Wahrscheinlichkeit pro Runde sagt auch etwas über den Gegner, und je weiter ein Spieler kommt, desto stärker sind die Gegner.
3. Erwartete Punkte: rechne pro Runde
Gibt dein Tippspiel Punkte für jede Runde, die ein Spieler übersteht, ist ein Spieler keine Titelchance, sondern eine Reihe von Wahrscheinlichkeiten. Die erwarteten Punkte sind die Summe aus Wahrscheinlichkeit mal Punkte, Runde für Runde. Mehr steckt nicht dahinter.
Schon ohne die Punktwerte deiner Tipprunde lässt sich etwas ablesen. Addierst du die sieben Wahrscheinlichkeiten eines Spielers, erhältst du die erwartete Zahl gewonnener Runden:
| Spieler | Gewonnene Runden (von 7) | Titelwahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Luke Littler | 4,98 | 46,8 % |
| Luke Humphries | 3,74 | 17,3 % |
| Gerwyn Price | 3,19 | 9,5 % |
| Jonny Clayton | 2,70 | 4,5 % |
Zwischen Humphries und Price liegen 7,8 Prozentpunkte bei der Titelwahrscheinlichkeit, aber nur 0,55 gewonnene Runden. Der Titel übertreibt den Abstand, weil er das Produkt aus sieben Runden ist. Ein Tippspiel mit Punkten pro Runde sieht die Spieler näher beieinander als eines, das nur den Weltmeister belohnt.
Zählen spätere Runden mehr, wird Littlers lange Strecke noch wertvoller. Nimm dir die Punktetabelle deiner Tipprunde und multipliziere selbst, pro Runde. Das dauert fünf Minuten und gibt dir eine eigene Rangliste.
4. Warum der Favorit nicht in jeder Runde die beste Wahl ist
Rechnest du die kumulierten Werte in eine Wahrscheinlichkeit pro Runde um, siehst du den Verlauf. Littler gewinnt eine Runde, wenn er in ihr steht, mit 85 bis 94 %, in jeder Runde hoch. Humphries startet bei 89,0 % und hat im Finale, falls er es erreicht, noch 59,5 % für den Sieg. Bei Price sinkt der Wert von 85,8 auf 50,0 %. Für Littler ist eine Runde meist Formsache, für die anderen wird jede schwerer.
Dazu kommt die Spitze als Gruppe. Multiplizierst du die Wahrscheinlichkeiten der acht besten Spieler für Runde 1, kommen alle acht nur mit 23 % durch. In rund 77 % der Turniere scheidet also mindestens ein Name aus der Spitze sofort aus. Im Schnitt stehen von den acht 4,3 Spieler im Achtelfinale und 3,1 im Viertelfinale.
Was das für deine Tipps heißt
- Weltmeister: nimm die höchste Titelwahrscheinlichkeit, solange nicht jeder andere dasselbe tut (siehe nächster Abschnitt).
- Runde 1 und 2: hier ist die Gefahr eines Ausrutschers am größten; gespielt wird nur über Best of 5 Sätze. Tippe nicht automatisch jeden Topnamen weiter.
- Viertelfinale und später: hier zeigt sich der Abstand zwischen der Spitze und dem Rest, hier zahlt sich der große Name aus.
Tippst du pro Partie nur den Sieger, gilt dieselbe Lehre: nimm je Partie die höhere Wahrscheinlichkeit und weiche nur bei einer nahezu ausgeglichenen Paarung vom Favoriten ab.
5. Wann du von der Mehrheit abweichst
Die höchste Wahrscheinlichkeit ist nicht automatisch die beste Wahl, um eine Tipprunde zu gewinnen. Du gewinnst, indem du besser abschneidest als die anderen, und ein Punkt, den alle haben, verschiebt niemanden. Was daraus folgt, hängt von der Größe deiner Runde ab.
Kleine Tipprunde: Büro, Freundeskreis, zehn Leute
Wer zehn Mitspieler schlagen muss, gewinnt vor allem durch wenige Fehler. Tippe Littler als Weltmeister: Du hast die höchste Wahrscheinlichkeit auf den Bonus, und tippen ihn einige Kollegen auch, entscheidet der Rest deines Tippzettels. Tippst du stattdessen Humphries und Littler gewinnt (46,8 %), liegst du in einer kleinen Runde sofort hinter allen, die ihn getippt haben, und mit 17,3 % auf einen eigenen Treffer holst du das selten auf.
Große Tipprunde: mehrere hundert Teilnehmer
Angenommen, sechs von zehn Teilnehmern tippen Littler (eine Annahme, den Anteil kennst du nicht). Gewinnt er, teilst du den Bonus mit sechzig Prozent der Runde und kommst nicht an ihnen vorbei. Gewinnt er nicht, haben mit Humphries als Weltmeister nur wenige Teilnehmer denselben Tipp. Dieser zweite Fall tritt in 53,2 % der Turniere ein, und Humphries holt davon rund 32 %. Du tauschst also einen geteilten Punkt gegen die Chance auf einen Vorsprung vor fast allen anderen. In einer großen Runde ist das ein guter Tausch, in einer kleinen nicht.
Als Faustregel gilt: Je mehr Teilnehmer, desto mehr musst du bedenken, was die anderen tippen, und nicht nur, was das Modell sagt. Prüfe bei einem zweiten Namen zuerst, ob seine Wahrscheinlichkeit das Risiko rechtfertigt. Humphries mit 17,3 % und Price mit 9,5 % haben eine echte Chance, ein Spieler mit wenigen Zehntelprozent nicht. Abweichen lohnt nur, wenn der gewählte Name eine reale Chance hat.
Ein Hinweis für deutsche Tipper: Beliebt ist oft der eigene Landsmann. Gabriel Clemens hat im Modell 51,2 % auf den Sieg in Runde 1, aber nur 4,0 % auf das Viertelfinale und weniger als 0,1 % auf den Titel. Als Bonus-Tipp auf den Weltmeister ist er damit kein zweiter Name mit echter Chance. Wie du die Punkteregeln und die Rechenlogik grundsätzlich einordnest, steht in der Tippspiel-Strategie.
6. Warum du die Auslosung abwartest
Jede Wahrscheinlichkeit in diesem Artikel ist ein Durchschnitt. Die 93,9 % von Littler in Runde 1 gelten für einen durchschnittlichen Gegner aus dem Feld, nicht für den, den er wirklich bekommt. Dieser Wert verschiebt sich mit der Auslosung, in späteren Runden noch stärker: Die 59,5 % von Humphries im Finale hängen davon ab, wer in der anderen Hälfte des Turnierbaums steht.
Die Darts-WM läuft vom 11. Dezember 2026 bis zum 3. Januar 2027 im Alexandra Palace in London. Das Preisgeld beträgt 5 Millionen Pfund, Titelverteidiger ist Luke Littler. Die Rangliste wird am 29. November eingefroren, die Auslosung folgt nach den Players Championship Finals vom 27. bis 29. November; einen Termin gibt es noch nicht. Erst dann weißt du:
- wer die endgültigen 128 Spieler sind, inklusive der letzten Qualifikanten;
- wen dein Favorit in den ersten beiden Runden trifft, über Best of 5 Sätze;
- welche Topnamen in derselben Hälfte stehen und sich gegenseitig ausschalten;
- welcher Außenseiter einen offenen Weg hat, denn daraus entsteht seine Chance.
Prüfe aber, wann deine Tipprunde schließt. Schließt sie vor der Auslosung, arbeitest du mit den Werten von heute: setze dann weniger auf einen einzelnen Weg und mehr auf Spieler, die in fast jedem Szenario weit kommen. Schließt sie danach, lohnt es sich, die Wahrscheinlichkeiten neu anzusehen und erst dann auszufüllen.
7. Fünf Regeln zum Rechnen
- Lies eine Titelwahrscheinlichkeit als Verteilung. 46,8 % für Littler heißt 53,2 % für den Rest, davon rund 32 % für Humphries und rund 18 % für Price.
- Rechne pro Runde. Wahrscheinlichkeit mal Punkte, addiert. Die Titelwahrscheinlichkeit übertreibt den Abstand zwischen den Namen.
- Tippe nicht jeden Topnamen für Runde 1 und 2 weiter. In rund 77 % der Turniere scheidet schon in Runde 1 mindestens einer der acht Besten aus.
- Passe die Wahl an die Größe deiner Runde an. Klein: die höchste Wahrscheinlichkeit. Groß: eine hohe Wahrscheinlichkeit, die nicht jeder hat.
- Warte auf die Auslosung, wenn deine Runde es erlaubt. Erst dann gelten die Wahrscheinlichkeiten für deine Spieler und nicht nur Durchschnitte.
Die Wahrscheinlichkeiten für das gesamte Feld findest du in den Darts-WM-Favoriten, die Spielregeln und Termine auf der Seite zur Darts-WM.