Premier League Bundesliga Tippspiel

Premier League tippen: was anders ist als in der Bundesliga

Wer von der Bundesliga-Tipprunde in eine Premier-League-Runde wechselt, nimmt seine Faustregeln mit. Die meisten gelten weiter, zwei nicht. 7.546 Spiele aus elf Saisons zeigen, wo die beiden Ligen sich wirklich unterscheiden.

Peter Neef · 4. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Der Heimvorteil ist in beiden Ligen gleich groß, die Torzahl nicht. In England fallen 2,82 Tore pro Spiel, in Deutschland 3,07. Das verschiebt genau eine Sache spürbar: in der Premier League ist das 1:0 das zweithäufigste Ergebnis, in der Bundesliga ist es weit abgeschlagen. Alles andere, was du über das Tippen weißt, kannst du mitnehmen.

2,82

Tore pro Spiel (Bundesliga: 3,07)

44,3 %

Heimsiege (Bundesliga: 44,2 %)

8,9 %

der Spiele enden 1:0 (Bundesliga: 6,6 %)

0

von 7.546 Spielen mit dem Remis als wahrscheinlichstem Ausgang

1. Die Zahlen nebeneinander

Beide Ligen über dieselben elf Saisons, 2015/16 bis 2025/26. Die Premier League spielt mit 20 Klubs 380 Spiele pro Saison, die Bundesliga mit 18 Klubs 306. Deshalb stehen hier überall Anteile und Werte pro Spiel und nirgends Summen.

 Premier LeagueBundesliga
Spiele in der Auswertung4.1803.366
Tore pro Spiel2,823,07
Heimsiege44,3 %44,2 %
Unentschieden23,7 %24,7 %
Auswärtssiege32,0 %31,1 %
mindestens 3 Tore54,3 %59,4 %
höchstens 1 Tor22,1 %17,8 %
torlose Spiele6,3 %5,6 %
beide Teams treffen52,7 %58,4 %
Favorit trifft ein54,9 %52,5 %
Tore nach der Pause55,5 %55,4 %

2015/16 bis 2025/26. „Favorit“ ist der Ausgang mit der höchsten Wahrscheinlichkeit vor dem Anpfiff. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Das Erste, was auffällt, ist die Übereinstimmung. Heimsiege, Auswärtssiege, Unentschieden und der Anteil der Tore nach der Pause liegen in beiden Ligen innerhalb eines Prozentpunkts. Zwei Ligen mit unterschiedlicher Spielkultur, unterschiedlicher Klubzahl und unterschiedlichen Budgets produzieren fast dieselbe Verteilung der Ausgänge. Der Unterschied steckt in den Toren.

2. Tore: Deutschland liegt vorn

0,25 Tore pro Spiel Unterschied klingt nach einer Fußnote, verschiebt die Verteilung aber an beiden Enden. In der Premier League fällt in 22,1 % der Spiele höchstens ein Tor, in der Bundesliga nur in 17,8 %. Umgekehrt fallen in Deutschland in 37,8 % der Spiele vier oder mehr Tore, in England in 31,8 %.

Deutlicher wird es beim Anteil der Spiele, in denen beide Teams treffen: 58,4 % in der Bundesliga gegen 52,7 % in der Premier League. Englische Spiele enden also häufiger einseitig, mit einer Mannschaft ohne Tor. Dazu passt auch der Halbzeitstand: in England steht es nach 45 Minuten in 28,2 % der Spiele noch 0:0, in Deutschland in 24,7 %.

Die Verteilung der Tore über die beiden Halbzeiten ist dagegen identisch. In England fallen 1,26 Tore vor und 1,57 nach der Pause, in Deutschland 1,37 und 1,70. In beiden Ligen fällt damit genau 55 % aller Tore in der zweiten Halbzeit. Was auch immer das verursacht, es ist nicht ligaspezifisch. Mehr dazu in der Auswertung der Tore in der Bundesliga.

3. Die häufigsten Ergebnisse

Hier liegt der einzige Unterschied, der deinen Tipp tatsächlich verändert. Das 1:1 führt in beiden Ligen, aber auf Platz 2 stehen verschiedene Ergebnisse.

ErgebnisPremier LeagueBundesligaUnterschied
1:110,9 %11,9 %−1,0
1:08,9 %6,6 %+2,3
2:18,1 %8,7 %−0,6
2:07,6 %6,6 %+1,0
1:27,0 %6,1 %+0,9
0:17,0 %5,6 %+1,4
0:06,3 %5,6 %+0,7
2:25,5 %5,4 %+0,1
3:14,9 %5,3 %−0,4

Anteil aller Spiele, 2015/16 bis 2025/26. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Das 1:0 ist in der Premier League mit 8,9 % das zweithäufigste Ergebnis, in der Bundesliga mit 6,6 % nur das vierthäufigste. Das ist die größte Einzeldifferenz der Tabelle und die praktische Konsequenz der niedrigeren Torzahl. Zusammen mit dem 0:1 (7,0 % gegen 5,6 %) heißt das: der knappe Ein-Tor-Sieg ohne Gegentreffer ist in England ein Standardergebnis.

In der Bundesliga ist dagegen das 1:1 stärker (11,9 gegen 10,9 %), und die torreicheren Ergebnisse ab drei Toren sammeln zusammen mehr Anteil. Wer in einer Premier-League-Runde seine Bundesliga-Tipps eins zu eins übernimmt, tippt also systematisch ein Tor zu hoch.

4. Favoriten: in England berechenbarer

Nimmt man für jedes Spiel den Ausgang mit der höchsten Wahrscheinlichkeit vor dem Anpfiff, trifft dieser in der Premier League in 54,9 % der Spiele ein, in der Bundesliga in 52,5 %. Zwei Prozentpunkte über mehrere Tausend Spiele sind kein Rauschen, aber auch kein großer Unterschied: in beiden Ligen liegt der Favorit in etwa der Hälfte der Spiele falsch.

Der Grund liegt weniger in der Berechenbarkeit der einzelnen Partie als in der Struktur der Liga. In der Premier League hatten 649 von 4.180 Spielen einen klaren Favoriten mit mindestens 70 % Siegwahrscheinlichkeit (15,5 %), in der Bundesliga 436 von 3.366 (13,0 %). England hat mehr sehr einseitige Spiele, und einseitige Spiele sind leichter zu tippen.

Wenn der Favorit klar ist, sind beide Ligen gleich: in Spielen mit mindestens 70 % Siegwahrscheinlichkeit gewann der Favorit in England 77,2 % und in Deutschland 77,8 %. Auch hier gilt also die Regel, die in jeder Tipprunde wichtig ist: eine Siegwahrscheinlichkeit von 70 % bedeutet, dass fast ein Viertel dieser Spiele anders ausgeht.

Noch ein Detail, das gern falsch erinnert wird: der Favorit ist in der Bundesliga in 66,5 % der Spiele das Heimteam, in der Premier League in 64,4 %. Ein Drittel aller Favoriten spielt auswärts, und sie zu tippen gehört zu den besten Gewohnheiten in einer Tipprunde.

5. Das Unentschieden: nie der wahrscheinlichste Ausgang

Diese Zahl ist die überraschendste der ganzen Auswertung. In keinem einzigen der 7.546 Spiele aus beiden Ligen war das Unentschieden der Ausgang mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Nicht in einem.

Die höchste Remiswahrscheinlichkeit, die in elf Jahren überhaupt auftrat, betrug 32,5 % in der Bundesliga und 32,7 % in der Premier League. Und selbst dann war einer der beiden Siege wahrscheinlicher. Der Grund ist mathematisch: ein Unentschieden verlangt, dass zwei Zahlen gleich sind, während ein Sieg viele verschiedene Ergebnisse zulässt. Je ausgeglichener zwei Teams sind, desto höher wird die Remiswahrscheinlichkeit, aber sie stößt bei etwa einem Drittel an eine Obergrenze, weil sich die beiden Siegwahrscheinlichkeiten den Rest teilen.

Gleichzeitig enden 23,7 % beziehungsweise 24,7 % aller Spiele unentschieden. Das ist der scheinbare Widerspruch, an dem viele Tipper hängen bleiben: das Unentschieden ist häufig, aber es ist nie der beste Einzeltipp auf die Tendenz. In den engsten Spielen, in denen Heim- und Auswärtssieg praktisch gleich wahrscheinlich sind, kam es noch am häufigsten vor: 28,7 % in der Bundesliga (356 Spiele) und 32,1 % in der Premier League (405 Spiele). Auch dort lag es nicht vorn.

Trotzdem kann das Unentschieden der beste Tipp sein, nämlich wenn deine Punkteregeln es extra belohnen. Genau das rechnet die Premier-League-Tipphilfe aus: nicht welcher Ausgang am wahrscheinlichsten ist, sondern welches Ergebnis mit deiner Punktetabelle die meisten Punkte bringt. Die Rechnung dahinter steht in der Tippspiel-Strategie.

6. Stimmen die Wahrscheinlichkeiten in beiden Ligen?

Eine Wahrscheinlichkeit ist nur dann brauchbar, wenn sie auf lange Sicht hält, was sie sagt: von 100 Spielen mit 60 % Heimsieg-Wahrscheinlichkeit sollten etwa 60 mit einem Heimsieg enden. Die Tabelle gruppiert alle Spiele nach ihrer Heimsieg-Wahrscheinlichkeit vor dem Anpfiff und vergleicht sie mit dem tatsächlichen Ausgang.

Heimsieg-WahrscheinlichkeitPL erwartetPL realBL erwartetBL real
unter 30 %19,8 %20,7 %20,5 %23,4 %
30 bis 40 %35,3 %34,7 %35,4 %31,6 %
40 bis 50 %44,8 %43,7 %44,7 %43,2 %
50 bis 60 %54,9 %57,4 %54,8 %57,4 %
60 bis 70 %65,0 %67,2 %64,7 %65,1 %
über 70 %77,7 %76,9 %78,7 %77,8 %

Um die Marge bereinigte Wahrscheinlichkeiten aus den Marktdaten desselben Datensatzes, 4.180 Spiele Premier League und 3.366 Spiele Bundesliga. Quelle: football-data.co.uk, eigene Auswertung.

Beide Ligen sind gut kalibriert, und die Abweichungen gehen in beide Richtungen. Die größte liegt in der Bundesliga im Band 30 bis 40 %, wo 35,4 % erwartet und 31,6 % erreicht wurden. In der Premier League ist das größte Loch kleiner: 2,5 Prozentpunkte im Band 50 bis 60 %, und zwar nach oben.

Praktisch heißt das: es gibt keine Liga, in der du die Wahrscheinlichkeiten pauschal nachkorrigieren solltest. Wenn du in der Premier League besser tippen willst als in der Bundesliga, dann nicht durch eine Korrektur der Zahlen, sondern durch den richtigen Ergebnistipp auf dieselben Zahlen.

7. Was das für deinen Tipp heißt

  • Tippe in England ein Tor niedriger. Das 1:0 ist dort das zweithäufigste Ergebnis (8,9 %), in der Bundesliga das vierthäufigste (6,6 %). Wo du in Deutschland 2:1 tippst, ist in England oft 1:0 die bessere Wahl.
  • Den Heimvorteil musst du nicht umlernen. 44,3 gegen 44,2 % Heimsiege: identisch. Auch der Anteil der Tore nach der Pause ist in beiden Ligen 55 %.
  • Rechne mit einseitigen Spielen. In England treffen in 47,3 % der Spiele nicht beide Teams, in Deutschland nur in 41,6 %. Ein Sieg zu Null ist in der Premier League ein normaler Tipp.
  • Das Unentschieden ist nie der wahrscheinlichste Ausgang, aber es kommt in fast jedem vierten Spiel vor. Tippe es nur, wenn deine Punkteregeln es belohnen, nicht aus Vorsicht.
  • Auswärtsfavoriten sind kein Sonderfall. Ein Drittel aller Favoriten spielt auswärts, und sie gewinnen genauso oft wie ihre Wahrscheinlichkeit sagt.

Die Wahrscheinlichkeiten für den nächsten Spieltag stehen in den Premier-League-Prognosen und den Bundesliga-Prognosen. Beide Ligen haben eine eigene Tipphilfe, weil die Punkteregeln deiner Tipprunde dort einfließen, aber dieselbe Rechenlogik darunter.

8. Fazit

  1. Gleiche Ausgänge, andere Tore. Heimsieg, Remis und Auswärtssieg liegen in beiden Ligen innerhalb eines Prozentpunkts, die Torzahl unterscheidet sich um 0,25 pro Spiel.
  2. Das 1:0 ist der echte Unterschied: 8,9 % in England gegen 6,6 % in Deutschland.
  3. Englische Spiele enden häufiger einseitig. Beide Teams treffen nur in 52,7 % der Spiele, in der Bundesliga in 58,4 %.
  4. Favoriten treffen in England etwas öfter ein (54,9 gegen 52,5 %), weil die Liga mehr sehr einseitige Spiele hat, nicht weil einzelne Spiele berechenbarer wären.
  5. In 7.546 Spielen war das Unentschieden nie der wahrscheinlichste Ausgang. Häufig ist es trotzdem: knapp jedes vierte Spiel.

Mehr zur Methode hinter den Prognosen steht unter So funktioniert Tippanalyse.